Unsere Kirche - 2020-11 Ev.-luth. Kirchengemeinde Wiesens und Brockzetel

Ev.-luth. Kirchengemeinde
Wiesens & Brockzetel
Kirchengemeinde Wiesens & Brockzetel
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Unsere Kirche

Informationen
Grundsätzliches
Der Deichbau in dieser Region erfolgte zwischen 1000 und 1200. Es ist anzunehmen, dass die ersten Kirchen - Emden Hinte, Groothusen, Uttum - um 1000 gebaut wurden. Es waren Abspaltungen / Tochtergründungen vom Bistum Münster.
Der Raum um Aurich war damals ein von Bauernsiedlungen durchsetztes Waldgebiet. Ringsum war es von Moor umgeben.

Die Kirche Wiesens
Die Kirche wurde Ende des 12. / Anfang 13. Jahrhunderts auf einer Warft auf Fundamenten aus Findlingen gebaut. Vielleicht haben Mönche des Johanniterordens die Kirche gebaut, die auch später das Klostergut zu Brockzetel errichteten. Steine könnten gebrannt sein auf den Bullenmeeden, heute jenseits des Ems-Jade-Kanals. Allerdings ist dies nicht gesichert.
Auf den Ziegeln an der Südseite sind an mehreren Stellen Ziegelbrennzeichen zu sehen, an anderer Stelle Trittsiegel von Hund und Katze und Fingerabdrücke.
Die Kirche war früher noch 5 m. höher als heute, um 1818 ist sie aus Stabilitätsgründen abgetragen worden.
Der Choranbau stammt wahrscheinlich aus dem 15. Jh. Ursprünglich bildete eine halbrunde Apsis den östlichen Abschluss der Kirche. (Kirche 1968-71 renoviert, Kanzel umgestellt)
Jede Langseite hat drei Rundbogenfenster mit eingelegten Rundstäben, die von Kleeblattblenden umfangen sind.

Altarschrein
Er wurde 1715 von Johann Dirks und Harm Dirks gestiftet
Dargestellt ist das Abendmahl Christi, vor dem Hintergrund einer Hügellandschaft mit geschnitzter Kreuz-Gruppe, geschaffen vom Auricher Andreas Schnörwange. Schnörwange war Geselle bei dem Esenser Meister Gröpelin (oder Cröpelin).

Der Altar
Die Mensa (Altartisch) ist aus Backsteinen, darauf eine Altarplatte aus Sandstein, 18 cm dick. An der Mensa ist ein von Herrn Tammen entworfenes und geknüpftes Parament. Genau in der Mitte- im Zentrum - ist das Christusmonogramm, die beiden griechischen Buchstaben "Chi" und "Rho", für Christus. Die Ähren erinnern an Christus als das Brot des Lebens und die Trauben an das Wort Jesu vom Weinstock: Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Zugleich deuten sie auch auf das Abendmahl, das am Altar von der hier versammelten Gemeinde gefeiert wird.

Altarschranken zu Seiten der Mensa
Sie sind zugleich Kniebänke. Diese Kniebänke sind ebenfalls aus dem 18. Jahrhundert von Schnörwange.
Dargestellt ist Martin Luther (mit Kelch und Schwan) und der böhmische Reformator Jan Hus (mit Patene und Gans), ein Vorläufer Luthers, der etwa 100 Jahre vor ihm lebte.

Kanzel
Schnörwange, 1732. Die Kanzel stand früher auf der Südseite der Kirche und hat einen sechsseitigen Kanzelkorb mit durch fünf Säulen getrennten Feldern: (Reihenfolge: Beginnend bei der Eingangstür an der Wand der Kirche entgegen dem Uhrzeigersinn):

Jesaja mit Säge
Jesaja ist einer der großen Propheten des Alten Bundes. Der Sage nach soll er, vom König Manasse verfolgt, Zuflucht in einem hohlen Baum gesucht haben, in dem Manasse ihn zusammen mit dem Baum durchsägen ließ. Hintergrund dürfte die politisch unbequeme und kritische Botschaft Jesajas sein. Jesaja weist in seinen Weissagungen auf den Messias hin.

Jesus mit Lamm
Christus, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt trägt. Er hat als Symbole die Dornenkrone, das Lamm mit dem Kreuz und an der rechten Seite die Sonne: "Ich bin das Licht der Welt."

Jeremia mit Buch
Jeremia, Kap. 36 berichtet darüber, wie Jeremia seinem Mitarbeiter Baruch die Weissagungen der letzten Jahre diktiert - unangenehme Wahrheiten für König und Regierung - und wie der König Hiskia die Buchrolle in die Hand bekommt, sich darüber ärgert und das "Buch” (die Schriftrolle) Stück für Stück verbrennt. Aber Gottes Wort lässt sich nicht vernichten. Jeremia diktiert erneut, dazu neue Weissagungen, auch Unheilsweissagungen gegen Hiskia, die sich - wie wir heute wissen - auch alle erfüllen.

Hesekiel mit Totenkopf
Hesekiel ist einer der Ersten im Alten Testament, der über die Auferstehung der Toten berichtet - siehe Hesekiel 37

Daniel mit Löwen
Die bekannte Geschichte von Daniel in der Löwengrube, Daniel, Kap. 6. Daniel bleibt seinem Gott treu und betet allein ihn an. Feinde verrieten ihn, daraufhin lässt man ihn in die Löwengrube werfen - aber Engel Gottes halten den Löwen das Maul zu, so dass Daniel nichts geschieht.

Unterhalb der Figuren: Blumen und Früchte
Alleine unter Jesus findet sich eine vergoldete Sonnenblume: Christus ist das Licht der Welt. Unter den Sockeln ist ein Spruchband fortlaufend mit der Aufschrift: "Von diesem Jesus zeugen alle die Propheten”

Über dem Kanzelkorb schwebt eine Taube (Symbol des Heiligen Geistes). Unter der Buchauflage steht der Spruch für die Hörer der Predigt: "Ohr und Herz aufwärts.”
Holzbild
An der Nordwand beim Aufgang zur Kanzel befindet sich ein Holzbild, welches Mose mit brennendem Dornbusch darstellt. Im Feuer des Dornbusches ist ein Gesicht zu erkennen. Darüber die Überschrift "Mose, zeuch die Schuh aus, dies Land ist heilig.” Eine der wichtigsten Stellen des Alten Testamentes, hier offenbart Gott seinen Namen dem Mose. Der Name Gottes lautet: ICH BIN DA (Jahwe)


Der Taufstein
Graugelber Sandstein, Bentheimer Typ, pokalförmig mit viereckigem Fuß und achteckiger Säule (viele Taufsteine sind achteckig, da das Achteck ein Symbol für Christus ist). Der Taufstein ist wohl aus dem 14.Jahrhundert.

Opferstock
Der große hölzerne Opferstock mit den Metallbeschlägen ist aus dem 17.Jahrhundert.

Weihwasserbecken
An der seitlichen Eingangstür bei der Kanzel ist ein Granitwürfel als Weihwasserbecken aus vorreformatorischer Zeit. Es lag im Sand in der Kirche vergraben und ist bei der Kirchenrenovierung wiedergefunden worden.

Orgel
Früher stand die Orgel auf der Ostempore über dem Altar.
1820 von Rohlfs, Esens gebaut, 1 Manual, 10 Register. 1896/97 auf ihre jetzige Position an der Westseite verlegt. 1969-81 gründlich restauriert durch Fa. Führer, Wilhelmshaven.

Turm und Glocken
Der Turm ist so alt wie die Kirche. Hier hängen besondere Schätze, die Wiesenser Glocken.
Unsere Glocken läuten nicht nur zum Gottesdienst, sondern täglich um 8 Uhr, um 12 Uhr, um 16 Uhr und um 18 Uhr. Das Glockenläuten ist eine Aufforderung zum Gebet, ein Ruf zur Besinnung.

In der Nordluke hängt die Marienglocke. Sie ist unsere große Glocke mit einem Durchmesser von 131 cm und einem Gewicht von 1550 Kg. Sie stammt aus dem Jahr 1447. Die Glocke trägt die Inschrift: "Defunctos plango, vivos voco, Fulgura frango, Vox mea vox vitae, voco vos ad sacra, venite.” (auf Deutsch: Die Toten betrauere ich, die Lebenden rufe ich, die Blitze breche ich. Meine Stimme ist die Stimme des Lebens, ich rufe euch zum Heiligtum (zum Gottesdienst), kommt!).
Diese Schrift ist in gotischen Klein- und Großbuchstaben gehalten. Des Weiteren sind zwei Reliefs zu erkennen: Die heilige Jungfrau mit dem Kind und der Beischrift: "Ave Maria gracia” (plena). (auf Deutsch: Gegrüßt seist du, Maria, voll Gnade, Zitat von Lukas 1,28 und Beginn des Rosenkranzgebetes).

Die älteste Glocke im Turm stammt aus dem 11. / 12. Jahrhundert.
Renovierung der Kirche 1968-71
In den Jahren 1968-71 wurden neue Eisenanker eingesetzt, sowie die Deckenbalken erneuert und der Sockel der Kirche neu gemauert. Im Zuge dieser Renovierung wurden auch die Wände neu gestrichen.
Bei diesen Renovierungsarbeiten wurden Reste von Grabstellen mit Schädeln, Knochen und Sarggriffen, Stoffresten gefunden, dazu drei Gefäße. Sachverständige datieren diese Funde auf das Jahr 1100. n. Chr.

Renovierung der Kirche 2013-2017
In dieser Zeit musste der Kirchturm renoviert und ebenso die darin befindliche Heizung für die Kirche erneuert werden. 2015 wurde im hinteren Teil eine Wand mit einer Schiebetür eingezogen, auf der nun die Tafeln mit den Verstorbenen der beiden Weltkriege angebracht sind und somit einen würdigen Platz erhalten konnten. 2017 erhielten die Bänke und Stühle der Kirche einen neuen Anstrich.

An der Ostseite des Turms befindet sich eine weitere Glocke, die jedoch jüngeren Datums ist. Die ursprüngliche Glocke war geborsten und wurde 1805 erstmals ersetzt. Im ersten Weltkrieg wurde diese Glocke 1917 abgeholt und 1925 durch eine neue ersetzt. Im zweiten Weltkrieg wurde diese 1942 erneut beschlagnahmt und erst 1995, 50 Jahre nach Kriegsende, durch eine neue Glocke ersetzt. Sie trägt die Inschrift: Ich trete an die Stelle meiner Schwestern, die 1917 und 1942 Opfer der Kriege wurden. Darum ist mein Ruf: Haltet Frieden und mein Gebet: DONA NOBIS PACEM Wiesens, Anno 1995. Als Bildzier trägt sie eine Taube, sowie am oberen Rand ein Schmuckband aus Eichenlaub in Anspielung auf die 13 Eichen, die das Symbol von Wiesens sind.
Das Geläut hat nun die Tonfolge e – fis – a

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